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5. German Rainbow
Open
Freitag 09 Oct 2009
Seit fünf Jahren locken die German-Rainbow-Open
zum größten lesbisch-schwulen Golfereignis nahe
Schwerin.
Auch dieses Jahr ließen sich 120 TeilnehmerInnen (davon
42 Frauen) weder von der Anfahrt, noch von der Wettervorhersage
schrecken. Aus allen Himmelsrichtungen trafen am Freitag,
den 02.10.2009 zahlreiche regenbogenbeflaggte Autos ein. Auch
16 aus-ländische SportlerInnen waren wieder dabei. Geschätzte
sieben Nationen nahmen die Anfahrt zum Winston Golf (in Vorbeck)
mit sperrigem Sportgepäck und vielseitiger Zivilbekleidung
auf sich, um an zwei Spieltagen dem sportlichen Wettkampf
und kulinarischen Beisammensein zu frönen.

Erstmals ging die Teilnehmerzahl zurück. Ich weiß
nicht, ob es an der Tatsache lag, dass zunächst bei der
Anmeldung für den 9-Loch Parcours die gleiche Startgebühr
(immerhin € 149,00) verlangt wurde wie für den 18-Loch
Meisterschaftsplatz, obwohl der Platz für die Handicaps
größer 36 nicht vorgabewirksam gespielt wurde (später
wurde die Gebühr auf € 99,00 reduziert). Vielleicht
war auch das inzwischen doch sehr umfangreiche Angebot für
GolferInnen verantwortlich oder aber das zu erwartend
schlechte Oktoberwetter, die Weltwirtschaftskrise oder ganz
andere Beweggründe ausschlaggebend.
Dennoch waren 17 TeilnehmerInnen aus Bayern
(u. a. fünf Frauen vom GC
Riem) auch in diesem Jahr vertreten. Die Anlage
Winston Golf vergrößert den Parcours, daher wurde
u. a. die Zufahrt verlegt. Das ab 2010 zur Verfügung
stehende Areal ist derzeit noch ein unschöner brauner,
kahler Erdhaufen. Die Betreiber der Anlage ließen sich
hier aber etwas visuell reizvolles einfallen. Die Zufahrt
wird von Kunstobjekten geschmückt. Ob nun geschmiedetes
Eisen, gefärbte Glasflaschen oder ein blaues Ballmeer,
für jeden Geschmack ist etwas visuell Reizvolles dabei.
Nach unserer Sonnen beschienenen Trainingsrunde
von 17 Löchern standen wir gegen 19 Uhr - die Sonne war
bereits untergegangen - am letzten Abschlag. Vor uns die 18.
Bahn. Mit 272 m ein ganz normales Par 4, wäre da nicht
der von zwei Schwänen besuchte Teich, der große
Sandbunker und das hell erleuchtete Clubhaus. Wir entschieden
uns, das Spiel mit Leuchtbällen zu beenden und schlugen
ab. Welch ein Glück, dass unsere Abschläge
diesmal gut trafen und die Bälle flogen. Die blinkenden
Bälle landeten weder im Wasserhindernis (Durchmesser
ca. 70 m), noch im feuchten, etwas vorgelagerten Sandbunker,
sondern im Korridor dazwischen. Ideale Ausgangslage. Die blinkenden
Kugeln wurden schnell gefunden und mit dem dritten Schlag
sicher auf dem Grün platziert. Jetzt erloscht das Blinken
der Bälle. Wir putteten (so nennt sich der Teil auf dem
hellgrünen Rasenabschnitt, auf welchem versucht wird,
durch Anschubsen den Ball in das Loch zu befördern) im
Dunkeln. Wie so häufig im GolferInnenleben entschieden
die kurzen Schläge über Erfolg und Misserfolg
Wie gut, dass dies nur Training war
..
Schnell geduscht und ab zur Registrierung und zum herzlichen
Hallo der SpielerInnen. Ah, Du bist auch
wieder dabei, Ihr auch
.. Wie in jeder Sportart, trifft
sich ein harter, wettkampfbegeisterter Kern auch hier. Der
offizielle Teil wird durch Willkommensworte der Organisatoren
eingeläutet. Der Austausch mit SpielerInnen über
Golf, Politik und das Leben an und für sich, lassen uns
im wahrsten Sinne des Wortes ankommen. - Die Stimmung ist
ausgelassen. In freudiger Erwartung auf den morgigen Wettkampftag
löst sich das erste Treffen gegen 23 Uhr auf.
Während die Spieler mehrheitlich das Schloss Basthorst
bevorzugen, treffen wir im Gutshof Vorbeck - das ausschließlich
von Spielerinnen okkupiert ist ein. Viele von uns sind
im Landhaus Bondzio anderen Unterkünften untergebracht.
- Aufgrund der BUGA in Schwerin war die Verfügbarkeit
der Zimmer und Appartements in diesem Jahr noch spärlicher.
Es ist Samstag, der 03.10., zugleich der 1. Turniertag. -
Wo ist der Sonnenschein geblieben, was macht der Wind hier
.
Bäh! Hauptsache es regnet nicht. Mit 14 Grad ist es auch
nicht zu warm, um mindestens 6 km (aber wer von uns spielt
schon die Ideallinie und ausschließlich geradeaus!?),
bergauf und bergab und rund 6 Stunden an der Luft zu verbringen.
Kurzes Hallo, lachende Gesichter, die Anlage ist
wieder voller SpielerInnen und ganz in unserer Hand. Die Regenbogenfahnen
sind seit gestern gehisst. Die Rainbow Golfers Fähnchen
stecken in den Löchern. Wir sind herzlich willkommen.
Das Servicepersonal des Clubs ist nicht nur hervorragend geschult
und professionell, sondern auch absolut bemüht, uns diese
Tage so angenehm, wie möglich zu gestalten.
Der 18-Loch-Meisterschaftsplatz ist ein technisch sehr anspruchsvoller
Golfcourse mit internationalem Standard. Individuell gestaltete,
gut verteidigte Grüns, mit Putt-Eigenschaften, die höchsten
Ansprüchen gerecht werden. Einzelne Bahnen sind mit einigen
Raffinessen klassischer Golfländer ausgestattet.
So könnt Ihr die Beschreibung des Platzes der Internetseite
www.winston-golf.de
entnehmen.
Meine Beschreibung liest sich ganz anders. Wusstet
Ihr, dass Mecklenburg-Vorpommern ganz schön hügelig
ist?
Kaum hast Du Dich eine Bahn bergauf gekämpft, geht es
auch gleich wieder runter. Auch glaube ich, dass der Platzarchitekt,
Dipl.- Ing. H. Rengstorf, ein Wasser-Sand-Putt-Liebhaber war.
Anders kann ich es mir nicht erklären, warum es Einzelnen
von uns gelang während einer Runde (18-Löcher) in
14 Bunkern zu landen
.. Andere, die sonst mit einem Ball
locker 18 Loch spielen, Bälle in Wasserhindernissen oder
im ungeliebten Raff auf Nimmerwiedersehen verloren geben mussten.
Gruß an die Engländerin, die es nicht glauben
konnte, dass sie nicht über den "Nordseeausläufer"
(Teich an Loch 2 mit ca. 120 m Durchmesser) schlagen konnte
und an die 14 Bälle versenkte. - Dieser Sport macht demütig,
und obgleich wir das wissen, erwacht so manches Mal der Übermut,
und wir glauben, dieses Spiel zu beherrschen.

Nicht so an diesem Wochenende. Der Wind vereitelt so manchen
Präzisions-schlag, am Sonntag gesellen sich Windböen
und Regenschauer zum Spiel. Wie gut, dass es so etwas wie
Windstopper, Mützen, Stirnbänder und Regenbeklei-dung
gibt. So beenden die meisten TeilnehmerInnen unter gleichen
Bedingungen das Turnier. Vereinzelt trennten sich SpielerInnen
von ihren Flights (so heißen die Dreier- oder Vierergruppen,
die gemeinsam die Runde gehen) und fuhren vorzeitig ab oder
gesellten sich zu den nicht Teilnehmenden ins warme Clubhaus.
Ich spielte am ersten Tag mit zwei Herren und einer
Frau, am Sonntag hatte ich das Vergnügen, in einer reinen
Frauengruppe zu spielen. Beide Tage sind geprägt
von sportlich fairem Verhalten, aufbauenden oder anerkennenden
Worten und einigen neuen Regelerkenntnissen. Ich freue
mich mein Handicap an beiden Tagen erspielt zu haben und Männer
und Frauen getroffen zu haben, die genau wie ich Spaß
am Spiel und geselligen Beisammensein haben.
Das Abendprogramm am Samstag war bestimmt von den sportlichen
Ergebnissen des Tages und der beliebten Los-Ziehung.
Absolut unpassend war in diesem Jahr die Preisvergabe für
the sixiest-player (jene Spieler (m/w), die auf
18 Bahnen am häufigsten mit sechs Schlägen im Loch
landeten). Während sich der männliche Gewinner über
den Silber glänzenden Penisputter freute, überlegte
die Gewinnerin des Preises unter deutlich sichtbarer
Kapillartätigkeit im Gesicht, wie sich das Ding wohl
entsorgen oder bei ebay unauffällig verhökern lässt.
Ich werde erfragen, was aus dem Preis wurde
..
Der zweite Spieltag wurde von Regenschauern und Windböen
durchzogen. Zwei meiner Mitspielerinnen ließen sich
davon nicht beirren. Ich bewunderte ihre Fähigkeit, sich
immer wieder auf den Punkt zu konzentrieren und den Ball mit
einer unnachahmlichen Konstanz gen Fahne zu schlagen. Irgendwann
war es vollbracht. Das 18. Loch lag hinter uns, und irgendwie
hatte auch ich es geschafft. - Im Anschluss an den zweiten
Spieltag, wurden die GewinnerInnen des Turniers geehrt. Hier
könnt Ihr die Resultate (Handicap bis 36) abrufen. Bald
sollte auch auf der Internetseite www.german-rainbow-open.com/home_de.html
mehr zu lesen sein. Ich gratuliere ganz herzlich allen
Teilnehmern und den erstplatzierten Frauen:
Inger (Damen Brutto, damit Nachfolgerin von Anke und neue
Trägerin des Pink-Jackets, eine wunderbare Spielerin,
die Ihre FlightpartnerInnen durch Ruhe und Motivation zu Höchstleistungen
bringt), Bärbel (Damen A, deren Humor und Golfsachverstand
erfrischend sind), Kirsten (Damen B, die ich als lockere,
dem Leben viele andere schöne Dinge abgewinnende Spielerin
erlebt habe) Sabine (Damen C, eindeutig die extravaganteste
Spielerin, wunderbar anzusehen) und Ulrike (Damen D, die gelassen,
mit überdurchschnittlichen Ergebnissen an beiden Tagen,
innerhalb ihrer Männerriege spielte).
Mein ganz herzlicher Dank gilt dem Organisationsteam und den
Betreibern der Golfanlage, die seit fünf Jahren ein einmaliges
Sportereignis für lesbische und schwule GolferInnen ausrichten.
- Ich freue mich, Euch nächstes Jahr bei Sonnenschein
an den Turniertagen wiederzusehen.
Gaby
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